
Beatrice ist 1980 geboren und erst kürzlich verwitwet. Wir haben sie und ihre beiden Kinder im Januar 2019 getroffen. Ihr Mann war Tourguide und hatte ein sehr gutes Einkommen. Beatrice hat nicht gearbeitet, sondern sich um den Haushalt gekümmert. Sie stammt aus einer armen Familie aus Moshi und kam 1995 nach Arusha, hat zuerst als Hausmädchen und dann in einer Bar gearbeitet. Dort lernte sie ihren Mann kennen, der im September 2018 verstarb. Sie vermutet, dass er von Kollegen vergiftet wurde. Die Verwandten des Vaters haben daraufhin das Bankkonto gesperrt. Sie wohnt in einer Zweizimmerwohnung mit Fernseher, Kühlschrank, Stereoanlage und Sofas im Wohnzimmer. Sie kann die Miete nicht zahlen und muss dringend eine Arbeit anfangen, aber sie hat kein Kapital. Sie möchte einen Kiosk aufmachen. Die Miete kostet 80,000 TSh pro Monat. Wir haben ihr ein Startkapital von 350,000 TSh geben. Davon konnte sie nicht alle nötigenden Sachen kaufen können, aber sie wird dann ihr Sortiment mit der Zeit erweitern.
Ihre Tochter Noela (geboren in 2009) ist bis Ende 2018 auf eine Privatschule gegangen. Sie spricht bereits sehr gut Englisch. Man merkt einen deutlichen Unterschied zwischen Privat- und staatlicher Schule. Das neue Schuljahr hat bereits angefangen und Noela bleibt zu Hause, weil Beatrice die Schulgebühren von 800,000 TSh nicht bezahlen kann. Zusätzlich fallen weitere Kosten für die Schulmaterialien an, sodass ein Jahr insgesamt etwa 1,000,000 TSh kosten würde. Grace und Daniel haben sich bereit erklärt, Noela die Schule zu bezahlen. Noela möchte Pilotin werden, wenn sie groβ ist. Ihr kleiner Bruder Daniel ist war bis vor kurzem noch auf derselben Privatschule wie Noela, allerdings in Vorschulklassen.
Zeitlicher Verlauf & Updates
2020
Beatrice hatte von ihrem Mann noch ein uraltes Auto geerbt, bei dem es mehr Dinge gibt, die nicht funktionieren, als Dinge, die funktionieren. Sie hat es aber geschafft, das Auto zu verkaufen und hat das Geld zusammen mit ihrem Bruder in einen Laden investiert.
Daniel geht inzwischen auch zur Schule.
2021
Die Situation zu Hause hat sich insbesondere für die Kinder stark verschlechtert. Beatrice hat sich zweimal übers Ohr hauen lassen (beim Verkauf des Autos wollte sie nicht auf unseren Rat hören, dass der Preis, den sie verlangte, viel zu hoch war. Sie verkaufte es zu dem von ihr verlangten Preis, bekam aber nie das Geld dafür) und das zweite Mal war es ihr eigener Bruder, mit dem sie gemeinsam ein Geschäft aufbauen wollte, der dann aber mit ihrem Geld weggelaufen ist.
Die Corona-Pandemie und die damit verbundene wirtschaftliche Lage war auch für ihren Kiosk nicht gut. Es war schwierig für uns, ihr zu helfen, da sie uns nicht über ihre Situation informiert hat und nicht besonders gerne Ratschläge anzunehmen scheint. Derzeit arbeitet sie in einer Bar und lässt ihre Kinder sehr viel allein zu Hause. Die Kinder haben angefangen, in der Schule schlechtes Benehmen zu zeigen. Wir denken, dass es für sie am besten ist, auf ein Internat zu gehen und der schlechten Umgebung, in der sie sich derzeit befinden, zu entfliehen. Wir hoffen, für 2022 Sponsoren für sie zu finden.
2022
Beatrice arbeitet noch immer in einer Bar und die Arbeitszeiten sind natürlich nicht familienfreundlich und ihr Einkommen ist ebenfalls zu niedrig. Die Krankenversicherung hat ihr sehr geholfen, als sie einmal nachts von einem Mann angegriffen wurde.
Glücklicherweise hatten wir für Noela und Daniel genug Geld, um sie auf ein privates Internat zu schicken (Mariado School). Daniel kommt in die 2. Klasse (Standard 2) und Noela in die 9. Klasse (Form 2). Bei Noela wurde eine Sehschwäche festgestellt.
2023
Beatrice hat gesundheitliche Probleme (zeitweise gelähmte Hand, Hitze- und Kältewellen, stressbedingt), die nicht behandelt werden konnten, da sie keine Krankenversicherung hat. Sie arbeitet als Barkeeperin bei langen Schichten und verdient meist wenig pro Monat, weil nicht bezahlte Rechnungen von Kunden und ihr eigener Essenskonsum abgezogen werden. Sie fühlt sich von jüngeren Kollegen respektlos behandelt, sieht aber keine Alternative. Ihre monatlichen Fixkosten (Miete, Strom, Toilettenreinigung, Wasser) übersteigen ihr Einkommen. Sie möchte gebrauchte Kleidung verkaufen und benötigt dafür ein mittleres Startkapital. Sie schätzt, innerhalb weniger Wochen einen ordentlichen Gewinn erzielen zu können. Ihre Kinder Noela und Daniel besuchen ein gutes Internat, wo es ihnen gut geht. Daniels Verhalten hatte sich auf einer günstigeren Schule verschlechtert, verbesserte sich aber auf dem guten Internat wieder.
2024

Beatrice hat weiterhin Probleme mit ihrer Hand, die sich aber insgesamt verbessert hat – sie erhielt keine medizinische Behandlung, wäscht jetzt nur noch mit warmem Wasser. Sie war sehr unglücklich in ihrem alten Barkeeper-Job (lange Arbeitszeiten, schlechte Behandlung, sehr niedriger Lohn). Inzwischen verkauft sie Vitenge (Stoffe). Zusätzlich überlegt sie, in ihrer Nähe ein kleines Lebensmittelgeschäft zu eröffnen. Ihr Einkommen aus dem Vitenge-Geschäft reicht aus, um Miete und Lebensmittel zu bezahlen. Ihre Kinder Noela und Daniel besuchen ein Internat, was Beatrice finanziell entlastet. Daniel kommt nächstes Jahr in die 3. Klasse, Noela in die 11. Klasse. Manchmal reicht das Schulessen nicht – dafür erhalten die Kinder von uns ein kleines Taschengeld. Laut Schulregeln sollen sie das Geld den Lehrern geben. Noela behält es heimlich, Daniel gibt es ab, bekommt es aber bei Bedarf nicht zurück. Wir werden uns bei der Schule beschweren; sollte sich nichts ändern, werden wir keine weiteren Kinder dorthin schicken.
2025
Beatrice geht es inzwischen besser – sie nimmt pflanzliche Medizin und hat wieder einen eigenen kleinen Kiosk nahe ihrer Wohnung. Die vorherige Bararbeit war sehr belastend (lange Arbeitszeiten, Mobbing, hohe Fahrtkosten bei sehr niedrigem Lohn). Ihr aktuelles Einkommen variiert, nach Abzug der Mieten für Kiosk und Wohnung bleibt nicht viel zum Leben, aber die Situation ist besser als zuvor. Wegen der Unruhen in Tansania konnte sie zeitweise nichts verdienen und hat nun Mietschulden. Ihre Kinder Noela (nach der 11. Klasse) und Daniel (4. Klasse) sind auf einem Internat (Mariado School). Mit der Schule sind wir unzufrieden – Essen ist nicht ausreichend, zu wenige Lehrer. Noela wird nächstes Jahr auf eine staatliche Schule wechseln (sie hat gute Noten und möchte Ärztin werden). Daniel soll auf die nahegelegene Goodwill School wechseln, da Beatrice wieder mehr zu Hause ist und sich besser um ihn kümmern kann. Mehr über Noela...


